Die DMSG unterstützt MS-erkrankte Flüchtende

Die DMSG unterstützt MS-erkrankte Flüchtende mit Informationen und fordert Schnellverfahren für die Registrierung von Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen.

Hannover, 14.04.2022. Seit dem Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 sind nach Angaben des Flüchtlingswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR) etwa vier Millionen Menschen aus der Ukraine in die Anrainerstaaten geflohen. Mehr als 300.000 Menschen aus der Ukraine sind inzwischen auch in Deutschland angekommen. Innerhalb der Ukraine sind ebenfalls mehrere Millionen Menschen auf der Flucht vor dem Kriegsgeschehen.

Unter diesen Flüchtlingen sind auch Menschen mit MS. Bei einer Einwohnerzahl von 41 Millionen Menschen in der Ukraine ist bei einer geschätzten Prävalenz von 100 Menschen mit MS auf 100.000 Einwohner mit mindestens 41.000 Menschen mit MS in der Ukraine vor Kriegsbeginn auszugehen.

Die inzwischen bekannten Strapazen und langen Wege, die die Menschen aus der Ukraine teilweise auch zu Fuß auf sich nehmen mussten, um über die Grenze in sichere Anrainerstaaten wie Polen, Rumänien, die Slowakei, Ungarn oder Moldawien zu gelangen, bedeutet aber gerade auch, dass MS-Erkrankte, die auf Gehhilfen, Rollatoren oder Rollstühle angewiesen sind, das Land eher nicht verlassen konnten.

„Uns haben vereinzelt Berichte über in ihren Wohnungen in umkämpften Städten ausharrende MS-Erkrankte mit Behinderungen erreicht“, sagt Herbert Temmes, Bundesgeschäftsführer der DMSG. „Wir sind in Kontakt mit Hilfsorganisationen in der Ukraine, um diesen Menschen vor Ort zu helfen.“ Die DMSG schließt sich eindringlich dem Appell des Deutschen Behindertenrates an: „Menschen mit Behinderungen dürfen in dieser humanitären Notlage nicht vergessen werden. Wir sorgen uns um ihren Schutz und ihre Sicherheit besonders. Denn für Menschen mit Behinderungen sind Fluchtoptionen enorm eingeschränkt, insbesondere, wenn sie in Heimen leben. Sie müssen deshalb im besonderen Fokus von Evakuierungsanstrengungen und Hilfsprogrammen stehen!“ (4)

„Die bisherigen Erfahrungen mit geflüchteten Menschen mit MS aus der Ukraine zeigen, dass es vor allem darum geht, ihnen schnell den Zugang zum deutschen Gesundheitssystem zu ermöglichen. Die Belastungen durch die Flucht und auch die damit verbundenen Infektionsrisiken können die MS aktivieren. Die Therapie von Schüben und die Fortführung der Immuntherapien muss unverzüglich geleistet werden können, ebenso die notwendigen Kontrolluntersuchungen. Wochenlanges Warten auf eine Registrierung und damit kein Zugang zu deutschen Ärzten oder Kliniken ist für MS-Erkrankte gefährlich“, so Herbert Temmes weiter. „Wir sehen hier auch diejenigen Unternehmen in einer besonderen Pflicht, die diese Medikamenten-Studien in der Ukraine durchgeführt haben. Wir stehen mit diesen Firmen im Austausch über die Angebote der Weiterversorgung hier in Deutschland.“

Die DMSG begrüßt die Entscheidung, dass die Flüchtlinge aus der Ukraine Leistungen nach den Sozialgesetzbüchern in Anspruch nehmen können und nicht nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Allerdings darf dieser Wechsel der Zuständigkeiten nicht zu Lasten der Flüchtlinge und ihrer Versorgung erfolgen.

Die DMSG fordert daher die Einrichtung eines Schnellverfahrens (Fast-Tract) für die Registrierung von Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen, da bei ihnen die Gefahr der Verschlechterung aufgrund von Wartezeiten droht. Hier sollten die Verantwortlichen in Bund und Ländern schnell Abhilfe durch vereinfachte Verfahren oder zusätzliche Mittel schaffen. „Menschen, die aus der Ukraine zu uns fliehen, um vor den Schrecken des Krieges in Sicherheit zu kommen, leiden bereits allein aufgrund der Kriegssituation“, so Bundespräsident a.D. Christian Wulff, Schirmherr des DMSG-Bundesverbandes. „MS-Erkrankte tragen eine zusätzliche Belastung mit sich, da zum Beispiel die Medikamentenversorgung und medizinische Betreuung sichergestellt werden müssen. Das kann Unsicherheiten auslösen, denen die DMSG vorausblickend entgegenwirken möchte.“

Die DMSG stellt spezielle Informationen auch in ukrainischer Sprache bereit, um den Zugang zu den MS-Therapien für Geflüchtete zu ermöglichen. Sprachmittler aus dem Kreis der DMSG-Mitglieder haben sich bereit erklärt, Geflüchteten zu helfen. DMSG-Mitarbeiter mit ukrainischen oder russischen Sprachkenntnissen ermöglichen Hilfe und Beratung.

Die DMSG richtet bundesweit eine zentrale Stelle ein, um Geflüchteten auch juristisch bzw. sozialpädagogische Hilfe zukommen zu lassen. Auch auf europäischer Ebene sind die MS-Gesellschaften über die Europäische MS-Plattform (EMSP) verbunden und unterstützen sich gegenseitig, insbesondere aber derzeit die besonders engagierten nationalen MS-Gesellschaften in Polen, der Slowakei, Rumäniens und Ungarns. Kontakt zu Mitgliedern der ukrainischen MS-Gesellschaften bzw. einzelnen Gruppen besteht ebenfalls und hilft dabei mit, Geflüchteten mit MS notwendige MS-Therapien zu vermitteln.

Info-Seite des DMSG-Bundesverbandes für Flüchtende aus der Ukraine mit MS

Quellen:

(1) Deutsches MS-Register. https://alt.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-forschung/ueber-die-haelfte-der-multiple-sklerose-erkrankten-in-deutschland-werden-bis-zur-rente-mit-65-berufs/ abgerufen am 08.04.2022.

(2) Deutsches MS-Register. https://www.msregister.de/fileadmin/resources/public/documents/publications/reports/Report_Bericht_2020_V32_Online.pdf, S. 10. abgerufen am 08.04.2022

(3) Bundesinnenministerium Pressemitteilung (4.4.2022) Befragung von Geflüchteten: 84 Prozent sind Frauen, 58 Prozent sind gemeinsam mit ihren Kindern geflüchtet und BMI (4.4.2022), Befragung ukrainischer Kriegsflüchtlinge

(4) www.deutscher-behindertenrat.de